Bukarest – Bulgarien – Thassos, 6.10-18.10.2016, 4657km

Bukarest – Bulgarien – Thassos, 6.10-18.10.2016, 4657km

**Willkommen Herbst, willkommen Regen**

Am Donnerstag, den 6. Oktober, nach 3,5 Wochen in der Heimat mit kurzem Tramp-Ausflug an die Ostsee, landete ich wieder in Bukarest. Bis zum Montag, an dem ich aufbrach, bin ich mit Sorin noch feiern gegangen – bei Freunden, in Bars und auf einem Konzert.
Am 10.10 war es dann wieder soweit: Sachen packen, das Fahrrad vorbereiten und um 14 Uhr ging es dann nach Bulgarien. Die Grenze ist von Bukarest nicht weit weg und so verbrachte ich die Nacht in Bulgarien. Ich wurde mit regnerischem Wetter begrüßt; aber kein Problem, denn ich hatte mich schließlich in Berlin mit regenfesten Sachen eingedeckt.
Ich hätte nicht gedacht, dass Bulgarien aber so ein Kontrast zu Rumänien darstellt. Sahen in Rumänien die Dörfer ärmlich aus, so taten das in Bulgarien sogar die Städte. Klar das schlechte Wetter tat auch sein übriges, aber es gab so viele verlassene Häuser und Industriebauten.

Dieser Umstand half mir allerdings am Montag. Den ganzen Tag regnete es, doch zum Glück gibt es ja gefühlt jeden Kilometer ein leeres Gebäude. In einem Schlug ich mein Lager auf, hatte jedoch kein Wasser mehr. Also füllte ich meinen Wasservorrat aus der Regenrinne, kochte es natürlich vorher ab und genoss den Abend dann mit House of Cards. Währenddessen bemerkte ich eine Ratte an meinem Lager vorbei schlich… Aber ich hatte Glück, dass keine anderen mich oder meine Taschen des Nachts besuchten.

Also ging es weiter. Es hatte mit Regnen aufgehört, aber die Regen tragenden Wolken hingen immer noch wie ein Damoklesschwert am Himmel, bereit ihre Ladung jederzeit frei zugeben. Wie in Rumänien haben die meisten Tankstellen WLAN, sodass ich trotz fehlender SIM-Karte regelmäßig online gehen konnte – sehr wichtig. Ich radelte durch weitere Städte, die von außen schlimm aussahen. Dann musste ein Schlafplatz gefunden werden, aber es fand sich kein geeignetes Gebäude, bzw. deren Böden waren mit Glasscherben überzogen. Auf meiner Karte war ein Kloster 8km abseits meiner Route eingetragen; dort wollte ich mein Glück versuchen. Es wurde schon dunkel und das Kloster war in den Bergen. Nebel zog auf. In gespenstischer Atmosphäre schraubte ich mich hinauf bis zum Sokolski-Kloster. Es lag versunken im Nebel dar und auf meine Klopfen und Rufen antwortete niemand. Was sollte ich also tun? Es war 20Uhr und so beschloss ich, mein Zelt einfach neben dem Eingang aufzubauen.

Am Donnerstag, 13.10, brach ich dann nach Busludscha auf. Das Wetter war sonnig – zum ersten Mal in Bulgarien. Busludscha war das letzte Ziel, dass ich schon bei der allerersten Planung im Winter vorhatte, zu besuchen. Es ist ein ehemaliges Veranstaltungszentrum der bulgarischen kommunistischen Partei, gelegen auf einem Berg. Es sieht aus wie ein Beton-UFO, doch leider war ein Betreten nicht wirklich möglich. Waghalsig kletterte ich zwar durch ein Fenster, von dort ging es aber ohne Gummistiefel nicht wirklich weiter. Bei Nacht, wenn wieder einmal Nebel aufzog, gab dem Gebäude einen unheimlichen Eindruck, verstärkend durch die Vögel, die immer mal wieder hinein- und herausflogen.

Auch am Freitagmorgen versuchte ich hineinzukommen. Aber es hatte sich natürlich nichts zum Vortag geändert. Die nächsten Tage blieben sonnig und eigentlich wollte ich Couchsurfen, um mal einen besseren Einblick in das Land zu bekommen. Denn Bulgarien scheint wirklich sehr vielschichtig zu sein, die Wirtschaftssituation schlechter zu sein als in Rumänien und es gibt viele Moscheen je weiter man Richtung Süden kommt. Da das dann aber nicht klappte, beschloss ich am Montag nach Griechenland zu fahren. Das Wetter war wieder schlecht und ich war auch nicht gut drauf. Ich hatte überlegt, die Nacht durchzufahren und dann morgens in Thassos anzukommen.
Daraus wurde aber nichts. Das wusste ich aber noch nicht, als ich um 17Uhr losfuhr und in die Dunkelheit. An einer Kreuzung jagte mir Mann einen gehörigen Schrecken ein. Ich suchte mein Handy, um zu schauen, in welche Richtung ich musste, als aus der dunklen Bushaltestelle ein Mann zu mir sprach. Ich gab ihm eine der letzten verbliebenen iranischen Zigaretten und er war zufrieden. In Zlatograd, der Grenzstadt hielten mich zwei Polizisten an – es war 21.30Uhr und niemand war mehr auf der Straße. Sie wollten meinen Pass sehen und rieten mir, ein paar Kilometer hinter der Grenze zu schlafen. Dort gebe es heiße Quellen und es sei sehr schön. Auch am Grenzübergang, an dem ich bestimmt eine halbe Stunde mit den griechischen und bulgarischen Beamten herumscherzte, wurde mir das empfohlen. Letzten Endes entschied der Grieche, dass mein Fahrrad auf einen Pick-up geladen wurde und ich zu einer der Quellen. Ich hatte nichts dagegen und nahm zum ersten Mal ein Bad in solche einer heißen Quelle. Sie war in einem kleinen weißen Gebäude mit Kuppeldach, durch welche der Vollmond schien.

Dann am Dienstagmorgen, 18.10, quälte ich mich die letzten Kilometer nach Thassos. Vor allem die letzten Kilometer auf der bergigen Insel waren hart. Doch angekommen, war ich unendlich froh, dass nun entspannte Tage auf mich warten würden, nachdem ich von den letzten 9 Tagen 8 Rad gefahren bin.

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