Istanbul – Samsun, 10.11-20.11.2016, 6140km | Entlang der Schwarzmeerküste I

Istanbul – Samsun, 10.11-20.11.2016, 6140km | Entlang der Schwarzmeerküste I

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**Oder vier Mal den Everest rauf und runter**

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Es war sonnig und warm als ich Istanbul nach 2 Wochen am Donnerstag, den 10.11, verließ. So warm, dass ich nur mit Hemd und kurzer Hose fahren konnte. Es war wirklich perfektes Wetter. Und obwohl ich erst gegen Mittag losfuhr, schaffte ich doch mehr als 100km und verbrachte die Nacht in einem netten Park.

Am folgenden Tag musste ein verlassenes Haus als Herberge herhalten und ich bekam schon einen Vorgeschmack auf den kommenden, hügeligen Streckenverlauf.

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Am Samstag bog ich dann auf die Küstenstraße D010 ein, auf der ich die nächsten knapp 2 Wochen bis nach Georgien unterwegs sein sollte.
War sie anfangs noch 2- oder 3-spurig, so wurde sie schnell schmal und das Klettern begann. Die Straße verlief wirklich meistens genau an der Küste, allerdings in durchschnittlich ca. 200m über dem Meer. Die Dörfer lagen jedoch alle auf Meeresspiegel, was bedeutete, dass ich jedes Mal einen Höhenunterschied von 400m bewältigen musste – und es gab viele Dörfer und die Straße war steil.
Der erste Abschnitt zog sich bis zu einer Pause ziemlich lange hin. Letzten Endes fand ich ein nettes Plätzchen an einem Altenheim. Dort wurde mir sogar ein Tablett mit dem Mittagessen, was auch die Bewohner bekamen, gegeben.
Von einem der Sicherheitsbediensteten wurde ich gefragt, ob ich denn einen Facebook-Account. Ich verneinte und meinte, nur eine E-Mail-Adresse. Daraufhin sagte er traurig, dass er keine E-Mail- nur eine G-Mail-Adresse hätte.

Ich fuhr immer bis nach Einbruch der Dunkelheit, die gegen 17 Uhr einsetzte. Da die Straße nicht viel befahren war, war das, da noch gutes Wetter war, ein sehr angenehmes Fahren: Die Landschaft, erhellt durch den zunehmenden Mond, das Rauschen des Meeres sowie des Fahrwindes um meine Ohren und das Zwitschern der Vögel ließen mich die ersten Tage immer auf diese ein bis zwei Stunden freuen.
Was auch perfekt für Radfahrer, eigentlich in der ganzen Türkei, ist, dass es überall Flächen zum Picknicken gibt, auf denen man, teils unter überdachten Holzpavillons, ohne Probleme nächtigen kann. Toiletten und Wasserstellen sind von diesen auch nie weit weg – kurzum ein Paradies für Camper aller Art.

Wovor ich schon in Istanbul hingewiesen worden bin, ist die Waffenaffinität der Bewohner der Schwarzmeerküste. Als ich mich am Freitagabend nach einem möglichen Platz zum Schlafen umsah und mich erleichtern wollte, hörte ich plötzlich Schüsse ganz in der Nähe. Bald sah ich auch das Mündungsfeuer. Die Leute schossen natürlich nach oben, aber so ein halbautomatisches Gewehr etwas 300m abgefeuert zu wissen, ist nicht gerade ein tolles Gefühl.


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Das gute Wetter hielt nicht lange an. Schon am Abend des dritten Tages deutete sich ein Wechsel an und am Sonntag, den 13.11, zog nach anfänglichem Sonnenschein schnell Regen auf. Bei für mich noch warmen Temperaturen um 14°C mit den ständigen Anstiegen die Hölle: Ich musste mich entscheiden, ob ich unter den Regenklamotten schwitzte oder die Sachen durch den Regen nass würden. Ich entschied mich für die erste Variante, da sie mir gesünder erschien – angenehm war es trotzdem bei weiten nicht. Der Regen war nicht besonders stark und dauerte auch meistens nur 3 Stunden, sodass meine Sachen zwischendurch wieder trocknen konnten. Doch ich wollte mich auch nicht ständig umziehen müssen (bzw. meine Regenhose an- und ausziehen, was dasselbe mit den Schuhen bedeutete).

Den Weg von Zonguldak nach Bartın legte ich über ein paar Dörfer zurück, wo ich fälschlicherweise die Geräusche eines Sägewerks, so doof es sich auch anhören mag, mit denen einer Melkmaschine verwechselte. Eine Flasche Milch bekam ich trotzdem und schlug dann das erste Mal mein neues Zelt an des Hafens Strande von Kurucaşile auf. Es bedeckt nun vollständig meine 6m²-Plane, sieht aber von außen kleiner aus, als es sich dann innen offenbart.


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Der Montag war ebenfalls von wechselhaftem Wetter geprägt – wie die nun folgenden Tage. Auch das Fahren nach Einbruch der Dunkelheit machte keinen großen Spaß mehr, weil der Mond die Straßen nicht mehr erhellte. Außerdem wurden letzte durch den Regen ziemlich rutschig. Am Abend kam ich dann aber am meiner Meinung nach besten Ort zum Schlafen der gesamten Küstenstrecke an: Doğanyurt. Ich erreichte das kleine Dorf noch vor Ladenschluss des Supermarktes A101, wo ich mich zur Belohnung mit Mandeln mit Schokoladenüberzug und Joghurt zum Mixen mit Honig (ja, das können wahre Freuden sein) eindeckte. Der Platz zum Schlafen war perfekt. Bereits ein russisches Tramperpärchen hatte sein Zelt unter einem Pavillon aufgeschlagen, doch es war noch genug Platz für mich. Ich bereitete mein Essen zu und schaute dann genüsslich den letzten Tatort.

Am Dienstag, den 15.11, regnete es eigentlich durchgehend. Ich brach spät auf, weil ich noch mit den Russen frühstückte – es kommt ja selten vor, dass ich während der Fahrt Leute treffe.
Ich wollte in Türkeli übernachten, aber es gab einfach keine geeignete Stelle und es regnete unaufhörlich. Am Ortsausgang stand allerding ein Rohbau von einem Wohnhaus – ohne, dass es Absperrungen geben würde. Daneben war eine Art Geschäft, jedenfalls war ein Mann draußen. Ich frage ihn, ob ich im Haus übernachten könne. Ich glaube, er sagte nein. Aber es war mir egal. Niemand sah mich mein Fahrrad hineintragen und so bezog ich mein Zimmer an der Rückseite. Leider waren im Erdgeschoss noch keine Fenster eingesetzt, sodass es des Nachts ziemlich zog. Aber wenigstens wurde ich nicht nass.


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Langsam näherte ich mich also Samsun und am siebenten Tag seit meines Aufbruchs in Istanbul sollte das Land etwas flacher werden. Die nördlichste Stadt der Türkei, das auf einer Halbinsel liegende Sinop, besuchte ich eigentlich nur, um bei Carrefour Süßigkeitennachschub zu besorgen (Lokum sade). Es stellte sich heraus, dass es das dort nicht gab und so wärmte ich mich eben für einige Zeit am Kohleeimer des Schuhpolierers Hassan auf.
Als ich das Dorf Gerze erreichte, wo ich schlafen würde, und bei der Tankstelle nach Internet fragte, wurde ich praktisch in den Aufenthaltsraum entführt und zum Tee trinken gezwungen. Nachdem ich entlassen wurde, richtete ich es mir wieder einmal in einem Park bequem ein. Leider gab an diesem Abend mein Kocher seinen Dienst auf und wurde unbrauchbar.


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Nach 8 Tagen, eintausend Kilometern, vier theoretischen Besteigungen des Mount Everest und einem nicht mehr ganz so frischen Geruch erreichte ich dann endlich Samsun. Nach einigen Wirren um die Übernachtungsmöglichkeit kam ich dann bei Serkan unter, was ein Glück war, da er aufgeschlossen und lustig war.
Wie schön es war zu duschen und dann eines der mit 130% besteuerten Supermarkt-Biere zu genießen (6TL ~ 1,80€). Laut Staats-„Präsident“ Erdoğan ist Ayran das Nationalgetränk und Alkohol eine Schande (wie Zigaretten auch).
Ich machte nicht viel, ruhte mich vornehmlich aus. Serkan und ich gingen Künefe essen und in ein cooles Dürüm-Döner Otobus-Restaurant. Dort wurde ich gefragt, ob ich denn keinen Vater hätte – die türkische Version, wieso meine Eltern mich so eine unverschämte Reise machen lassen. Als ob das nicht genug wäre, wollte mich der Besitzer zum Islam konvertieren.

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