Ozurgeti – Erzurum, 6.1-25.1.2017, 7317km

Ozurgeti – Erzurum, 6.1-25.1.2017, 7317km

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**Mitten durch die Berge**

Am Mittwoch, den 4. Januar, hieß es Abschied nehmen von Familie, Freunden und Berlin. Mit Ryanair ging es am Nachmittag nach Sofia und am nächsten Tag dann nach Kutaisi. Dort gab es am Flughafen bei der Einreise eine kleine Flasche Wein gratis mit dem Einreisestempel.
Nach 2 Nächten an Flughäfen fuhr ich trampte ich nach Batumi, um zu erfahren, ob mein iranisches Visum schon fertig und in Empfang zu nehmen sei. Das war zum Glück der Fall und am Nachmittag bekam ich es ausgestellt. Leider hat es nur eine Gültigkeit von 15 Tagen, sodass ich relativ bald nach Einreise eine Verlängerung vornehmen muss. Die hätte ich aber so oder so gebraucht.
Es war also soweit. Ich war mehr oder weniger bereit den letzten Teil meiner Tour anzutreten. Das Wochenende verbrachte ich allerdings noch bei Vakho in Ozurgeti, wo auch die beiden Franzosen Alise und Benjamin Halt machten, die ebenfalls mit dem Fahrrad Iran einen Besuch abstatten werden, allerdings auf anderem Wege als ich.

Am Montag, den 9. Januar, fuhr ich dann nach Batumi, schlief wieder in der leeren Strandbar und reiste am Dienstag wieder in die Türkei ein. Nach siebentausendundvier Kilometern hatte ich meine erste Panne (die erste von einigen bei den „verfluchten“ 7000, um etwas vorzugreifen): Ein Schaltzug musste ausgetauscht werden – kein Problem; eine Sache von 20 Minuten. Ich folgte der Schwarzmeerküste zurück bis Hopa und bog dann ins Landesinnere ab. Es wurde sofort bergig und kühler. Schnee hatte sich schützend über die Teebüsche gelegt, welche später jedoch kargem Gestein wichen. Und es ging durch Tunnel, durch viele Tunnel. 33 Stück waren es, um genau zu sein.
Für die Nacht fand ich einen leeren Rastplatz auf dem ich mein Zelt aufschlagen konnte. Es war auch noch nicht so kalt, doch extrem windig und zuvor wurde ich von Wachschutzleuten zu Tee und selbstgemachten, super leckeren Çiğ Köfte (Bulgur-Bällchen) eingeladen.

Am Mittwoch begannen dann die Tunnelfahrten. Als ich gegen Mittag auf dem Universitätsgelände von Artvin Rast machen wollte, kam ein Sicherheitsbediensteter und wies mich an, dass sei ein Problem, ich solle doch das Gelände zum Essen verlassen.
Die Straße, die ich nahm war neu gebaut. Der Grund war ein Staudamm (vermutlich der in Borçka), der zu einem Anstieg des Wasserpegels im Flusslauf und dementsprechend zur Überschwemmung von bestehenden Siedlungen und der alten Straße führte. Am Ende des Tages sah ich solch ein Dorf, das verlassen worden war – und auch später einige Häuser mehr. Ich versuchte, da der Wasserstand gerade niedrig war, das Dorf zu erkunden (vor allem die Moschee interessierte mich), aber der Boden war so schlammig, dass es mit meinen Wanderschuhen ein sehr schwieriges Unterfangen war, dass ich einem knöcheltiefen Einsacken in den Schlamm abbrach.
An der Straße gab es ab und zu ein paar kleinere Haltestellenhäuser, leider wurden diese allerdings von streunenden Hunden (die meisten völlig harmlos, trotz Gebell) bewohnt. Daher schlief ich zwischen den zahlreichen Tunneln an einem Generatorhäuschen unter dem sternenklaren Himmel.

Dem Staudammgebaue hätte auch längst die Kleinstadt Yusufeli weichen sollen. Dem war nicht so und glücklicherweise konnte ich dort also nach einem kleinen Umweg meine Vorräte auffüllen. Die Stadt hatte jetzt nichts Besonderes an sich, aber erwähnenswert ist eventuell, dass die Temperaturen tagsüber nun schon unter null fielen. In der Sonne und durch das Fahren war das allerdings nie ein Problem für mich.
Ich erreichte an diesem Donnerstag, 12.1, noch vor der Dunkelheit der Tortum Wasserfall. In den verbleibenden Jahreszeiten sicher eine Anlaufstelle für Touristen war ich an diesem Tag der einzige, der die vereisten Treppen entlang des Wasserfalls entlang marschierte.
An einem Parkplatz am Abzweig zum Wasserfall standen mehrere Hütten. Alle waren abgeschlossen; mit der Ausnahme von einer, deren Tür vorher nicht zugemacht worden war. Nachdem ich eine Stunde lang Nudeln gekocht hatte – ich probierte Nudeln mit Schokoaufstrich als Soße was dermaßen widerlich schmeckte, dass viel Wasser nötig war, um den Geschmack wieder halbwegs zu entfernen – brachte ich alle meine Sachen in die Hütte.
Im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob eine Nacht im Zelt nicht wärmer gewesen wäre. Immerhin konnte ich die Tür nicht schließen, sodass ständig die -8°C kalte Luft hereinkam.

Am Freitag stand ich früh auf, denn ich wollte das noch ca. 100km entfernte Erzurum erreichen und bisher lang meine Durchschnittsgeschwindigkeit bei mickrigen 15km/h. Außerdem musste noch ein 2090m hoher Pass erklommen werden. Das war am Ende aber alles kein Problem. Als ich mich an den Pass machte, fing es zum ersten Mal mit schneien an, ich machte bei -11°C ein paar lustige Fotos am Pass und dann ging es eigentlich nur noch bergab, sodass meine gefrorene Schaltung kein Problem darstellte.

In Erzurum konnte ich bei Kemal Alp und seiner Frau Özge bleiben, die beide sehr liebe und vor allem lustige Zeitgenossen sind. Sie hatte am Freitag ihre Master bekommen und so gab es am Wochenende eine kleine Feier mit Freunden.
Erzurum ist für die Kälte im Winter berüchtigt, Temperaturen von -30°C sind normal, und die Stadt hat einige schöne Gebäude aus der Seldschukenzeit zu bieten.
Am Dienstag brach ich jedoch für einen einwöchigen Trip per Anhalter nach Istanbul und Samsun auf und kehrte am darauffolgenden Dienstag wieder zurück. Das war sehr interessant, denn nun kam ich mal wirklich mit den Menschen in Kontakt und die Propaganda Erdogans prasselte oft auf mich ein: Merkel unterstützt mit der PKK (die kurdische Arbeiterpartei) Terroristen, Merkel holt Terroristen nach Deutschland und gefährdet die Sicherheit der Türkei, die PKK kommt aus Armenien, die Kurden sind alles Verbrecher und keine Moslems…. Ich möchte aber hervorheben, dass zwar viele Fahrer so etwas rausgehauen haben, es aber nicht mehr als die Hälfte war. Außerdem gab es viele, mit denen ich Deutsch sprechen konnte und ich wurde oft zum Tee oder sogar zum Essen eingeladen. Es war also eine sehr schöne Erfahrung.

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