Silopi – Erbil, 6.2 – 9.2.2017, 8066km

Silopi – Erbil, 6.2 – 9.2.2017, 8066km

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**Mörderische Straßen im Irak**

Ich verließ‘ also Ridvan und Silopi zum Wochenbeginn am Montag. Ich hatte mir, neben den beiden Städten Erbil und Sulaymaniah, vorgenommen, die Stadt Amedi und zwei Klöster zu besichtigen. Beide lagen auf Weg nach Erbil. Aber zuerst mussten die 15km bis zur Grenze zurückgelegt und diese überquert werden. Dies stellte sich aber als ziemlich einfach heraus. Die Türken waren wohl froh, mich endlich los zu sein. An der Grenze wurde nach einem Busticket gefragt, was ich mit fragendem Blick und Verweis auf mein Fahrrad zu beantworten versuchte und ein Verrückter, der allerdings kein Beamter war, wollte meinen Pass checken.
Aus der Türkei ausgereist, gab es erst einmal eine kleine Quatschrunde mit den Grenzbeamten auf der irakischen Seite und ich atmete erleichtert auf, die ewigen Kontrollen hinter mich gebracht zu haben.

Wobei gesagt werden muss, dass es ja genauer gesagt irakisch Kurdistan war, eine autonome Region im Irak mit eigener Regierung, eigenen Grenzkontrollen, aber irakischem Pass. In diesen Teil Iraks können Europäer problemlos für 30 Tage einreisen, in die anderen, südlichen Teile Iraks (den arabischen Teil), gilt dieser Einreisestempel nicht und es wird ein Visum benötigt. Einwohner aus dem arabischen Teil Iraks dürfen nur für 10 Tage nach irakisch Kurdistan einreisen und das auch nur, wenn sie jemanden haben, der für sie bürgt. Es ist etwas kompliziert – oder auch nicht.

Jedenfalls unterhielt ich mich nett mit den Beamten auf Englisch und Farsi und wurde sogar zum Mittag eingeladen. Gestärkt wurde ich dann auf die chaotischen Straßen losgelassen. Schlimmer war der Verkehr nirgends. Beziehungsweise es war nicht der Verkehr, sondern eher die eng asphaltierten Straße. Es gab zwar einen Seitenstreifen, aber der war sandig und von Schlaglöchern übersät. Der Großteil der Fahrzeuge waren Pick-ups, was später noch hilfreich sein sollte. Allerdings fuhren die meisten Leute zu schnell und kamen mir beim Überholen ständig sehr nahe. Vor allem bei LKWs war es sogar noch heikler. Selbst in Istanbul respektierten mich die motorisierten Verkehrsteilnehmer mehr.
Nachdem ich Geld gewechselt hatte und dann mit meinen ersten Dinaren leckeres Brot und Datteln. Ich kam an den ersten Flüchtlingslagern vorbei und auf der Suche nach einem geeigneten Platz zum Zelten, wurde ich oft gestoppt und zu Selfies aufgefordert und später am Abend griffen mich Guli und Sherzat auf und ich ließ mich überreden, die Nacht bei Sherzat zu verbringen. Eine gute Entscheidung, denn es war interessant auf eine Familie zu treffen, deren Oberhaupt (Sherzat) zwei Frauen und mindestens 16 Kinder hatte. Sherzat war Soldat bei den Peschmerga und ein Sohn von ihm kämpfte auch gerade in Mosul. Die Kinder wuselten die ganze Zeit umher und alle waren neugierig, jedoch dem Englischen nicht sehr mächtig. Was nicht ganz so schlimm war, denn das Kurdische ist dem Persischen ähnlich. Wobei es zwei kurdische Sprachen gibt, einmal Kurmandschi (was im Norden, Erbil, gesprochen wird) und Sorani (welches im Südwesten, Sulaymaniah, und Iran zu hören ist).

Nach einem Frühstück ging es weiter. Es wurde hügelig und ich passierte auch wieder die Schneefallgrenze. Weil mein vorderer Zahnkranz schon sehr abgenutzt war, wurde es anstrengend. Als ich dann den Anstieg nach Amedi sah, beschloss ich, dass der Anblick von unten ausreiche und es Zeit zur Zeltplatzsuche war. Den Weg ins nächste Dorf legte ich dann per Anhalter zurück, fuhr danach aber bestimmt noch 2h so weiter.

Am Mittwoch begann ich dann schon am Morgen zu trampen. Bis Dohuk wurde ich mitgenommen und es ist wirklich fantastisch, dass die meisten Leute Pick-up fahren. Von Dohuk begab ich mich dann zum Rabban-Hormizd-Kloster von christlichen Syrern. Ich muss zugeben, dass es etwas besonderes war, in diesem Teil der Welt in einem christlichen Kloster umherzuwandern. Auf der Weiterfahr kam ich auch an einem jesidischen Grabturm vorbei. Das Wetter wurde unangenehm und mit dem kaputten Antriebszahnkranz war es eine Tortur zu fahren. Mehr als 20 km/h waren einfach nicht drin, da ich mit der kleinsten Übersetzung fahren musste. Ich versuchte, per anhalter weiter zu kommen, es hielten zwar Leute an, wie z.B. ein Kurde, der mit seinem BMW aus Halle kam, und auf dem Weg zu seinen Kameraden bei Mosul war, um den Islamischen Staat zu bekämpfen. Aber letztlich nahm mich niemand mit. Am Ende schlief ich in einer Tankstelle, in die ich von Mohammed und seinen Kollegen eingeladen wurde. In den meisten Tankstellen wohnen die Angestellten auch und haben erst nach 2 Wochen ein paar freie Tage. Wenn sie also nicht in der Nähe wohnen, bleiben sie die ganze Zeit dort.

Auch am Donnerstag bewegte ich mich trampend und radelnd fort. Mohammed machte für mich an der Tankstelle eine Mitfahrgelegenheit klar, die mich in die Nähe des zweiten Klosters brachte. Doch bevor ich dort hin konnte, musste ich an einem Checkpoint meinen Pass abgeben. Das lag daran, dass die Straße zum Kloster auch nach Mosul führte und die Beamten wohl Angst hatten, dass ich dort überlaufen würde. Das Mor-Mattai-Kloster liegt 30km von Mosul entfernt und 2016 war der IS bis auf 600m vorgedrungen. Es zählt wohl zu den ältesten christlichen Klöstern und wie Rabban-Hormizd gehört es auch zur syrisch-orthodoxen Kirche. Den meisten Leute, die ich im Irak kennenlernte sagten die beiden Klöster übrigens nichts. Um zum Mor-Mattai-Kloster zu kommen, müssen ca. 400 Höhenmeter überwunden werden. Gott sei Dank begaben sich, nachdem ich ungefähr 80 Höhenmeter zurückgelegt hatte, auch ein Geistlicher und weiterer Mann in ihrem Pick-up dorthin und nahmen mich mit.
Den Weg zurück zum Checkpoint musste ich dann alleine zurücklegen und die Beamten dort waren so froh, mich zu sehen, dass sie mir etwas von ihrem Mittag anboten, was wirklich gut tat, denn das Wetter war grauenhaft. Lange musste ich aber nicht mit dem Fahrrad fahren, denn an der nächsten großen Kreuzung hielt, wie sich natürlich später erst herausstellte, ein Christ an und brauste mit mir nach Erbil, der Hauptstadt der autonomen Region, wo mich mein Couchsurfing Host Dilzar später in Empfang nahm.

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