Erbil, 9.2 – 12.2.2017, 8066km

Erbil, 9.2 – 12.2.2017, 8066km

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**Eine weiße Taube je Sünde – wie das Stehlen meines Fahrrads**

Ich kam also am Nachmittag in Erbil an und mein Gastgeber Dilzar nahm mich auf eine kleine Tour in die Innenstadt mit. Wir fuhren zur Iskan-Straße. Dort wird die Nacht zum Tag gemacht, in all den Restaurants, Teehäuser unzählige Straßenimbissen, die diese Straße säumen. Die Bandbreite an Gerichten ist sehr groß und alle schmecken hervorragend. Dilzar kannte all die guten Plätze, wo man sich das beste Essen schmecken lassen kann.

Der Freitagmorgen, 10.2, begann mit einem Schock. Als Dilzar vom Brötchen holen zurückkam, eröffnete er mir, mein Fahrrad stünde nicht mehr im Eingangsbereich. Ich hielt es für einen Scherz und dann, was hätte Panik auch gebracht, fand ich mich damit erst einmal ab und wir frühstückten. Dilzar versicherte mir ganz gelassen, dass bestimmt nur die Nachbarskinder das Fahrrad „geliehen“ hätten. Bevor wir zu Freunden von Dilzar aufbrachen, die außerhalb Gleitschirm flogen, wurde ich dann mit der bitteren Wahrheit konfrontiert: Das Fahrrad stand wirklich nicht mehr dort. Doch Dilzar ließ sich nicht beirren. Wir fuhren in seiner Siedlung herum und dann tatsächlich! Ein Junge fuhr auf meinem lederbeschlagenen fahrbaren Untersatz herum. Ein Freund hätte es ihm gegeben und es sei jetzt seins. Naja, Dilzar sagte dem kleinen Langfinger etwas, während ich mir das Fahrrad wiederholte. Es war nicht beschädigt, alles funktionierte tadellos und ich schaffte es direkt vor Dilzars Wohnung. Anschließend fuhren wir zu den Bergen im Nordosten, wo die Freunde bereits von einem kleinen Hügel schwebten.
Als die Sonne am Untergehen war trafen wir uns mit anderen Freunden am Shanidar-Park, um wie viele andere auch den Sonnenuntergang zu beobachten.

Dilzar musste am Samstag wieder arbeiten gehen, aber ein Freund von ihm zeigte mir ein bisschen die Stadt, insbesondere natürlich die weltberühmte Zitadelle, die der älteste durchgängig bewohnte Ort der Welt ist sowie der quirlige und sehr farbenfrohe Vorplatz Qaysari am Haupteingang der Zitadelle. Im Basar statten wir auch einem Teehaus einen Besuch ab.
Abends gingen trafen wir uns mit anderen Freunden in einer Hotelbar über der Stadt, wo auch viele Ausländer waren. Es wurde traditionelle Musik gespielt und etwas getanzt, was die spießige Atmosphäre etwas auflockerte.

Am Sonntag waren dann auch die behördlichen Verwaltungen wieder geöffnet. Jedenfalls konnte ich mein Fahrrad reparieren und Postkarten kaufen, die ich dann im einzigen Postamt der 1,6 Millionenstadt in die Welt verschickte. Die Postkarten wollte ich in einem Park schreiben, doch ich war echt wütend, wie fahrradfeindlich die Parks in Erbil sind. Nirgends sind sie erlaubt und es wurde mir noch nicht einmal der Touristenbonus gewährt.
Mitten am Tag, als ich mein Fahrrad repariert hatte, klopfte es plötzlich an der Tür (ich war alleine, denn Dilzar war arbeiten). Zwei Männer standen dort und wollten meinen Pass sehen. Doch zuerst wollte ich sehen, was sie berechtigt, meinen Ausweis sehen zu wollen. Scheinbar Geheimdienstmitarbeiter; sie wollten den Pass mitnehmen, ich in die Stadt, also wurden nur Fotos gemacht. Zu Abend speisten Dilzar, sein Kumpel Mohammad und ich noch einmal in einem sehr leckeren Restaurant – Dilzar kannte wirklich die mit den leckersten Gerichten in Erbil.

Wann genau das Wochenende im Irak bzw. in Kurdistan ist, habe ich nicht durchgeblickt. Im Süden Iraks ist es wohl wie im Iran am Donnerstag und Freitag, aber im Norden Freitag und Samstag – also wie in Israel.
Eine weitere interessante Information für mich war, dass die autonome Region Kurdistan sehr enge Beziehungen zu Israel pflegt. Der Stamm des Präsidenten Barzani hatte engen Kontakt zu einflussreichen Juden. Nach dem 2. Weltkrieg und in den folgenden Jahrzehnten flohen viele kurdische Juden nach Israel. Heute leben ca. 150 000 kurdische Juden in Israel. Auch wurde die Kurdische Demokratische Partei und die Peschmerga vom israelischen Geheimdienst mit Waffen und Training unterstützt. Benjamin Netanjahu sprach sich sogar 2014 öffentlich für einen unabhängigen Kurdenstaat aus.

Das kleine Zusammentreffen mit dem Geheimdienst führte dazu, dass ich am Montagmorgen, 13.2, mit Dilzar zur Polizei gehen musste, damit dort registriert wurde, dass ich bei ihm übernachtet hatte. Damit begann auch meine Überwachung durch den kurdischen Geheimdienst bis zur iranischen Grenze. Ich verabschiedete mich von Dilzar, dank dem ich die kulinarischen Spezialitäten, die Erbil zu bieten hat, kennenlernen durfte und begab mich Richtung Sulaimaniyya.

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