Erbil – Sulaimaniyya, 13.2 – 21.2.2017, 8262km

Erbil – Sulaimaniyya, 13.2 – 21.2.2017, 8262km

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**Tankstellen als Lebensretter**

Das kleine Zusammentreffen mit dem Geheimdienst führte dazu, dass ich am Montagmorgen, 13.2, mit Dilzar zur Polizei gehen musste, damit dort registriert wurde, dass ich bei ihm übernachtet hatte. Damit begann auch meine Überwachung durch den kurdischen Geheimdienst bis zur iranischen Grenze. Ich verabschiedete mich von Dilzar, dank dem ich die kulinarischen Spezialitäten, die Erbil zu bieten hat, kennenlernen durfte und begab mich Richtung Sulaimaniyya.
Ich hatte allerdings nicht lange geschlafen und legte daher eine kurze Schlafpause auf einem Fußballfeld ein. Es galt ein kleines Gebirge zu überwinden und danach war ich einfach zu kaputt, um viel weiter zu fahren. Außerdem hatte es auch geregnet. Ich kaufte daher nur schnell Lebensmittel ein und kehrte dann in der ersten Moschee ein, die an der Straße und nicht Teil eines Dorfes war. Beziehungsweise sie war schon Teil eines Dorfes, doch dieses scheint nur im Sommer bewohnt – in all den Häusern zeigte sich kein Lebenszeichen. Es gab zwar keine Heizung, aber die Fenster waren noch ganz und Strom gab es auch.

Am Dienstag regnete es fast durchgehend; manchmal schneite es auch. Durchnässt und durchgefroren fuhr ich eine Tankstelle an, um mich dort aufzuwärmen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie freundlich die Menschen sind. Zwei Stunden durfte ich mich halbwegs aufwärmen und meine Klamotten konnten ein klein wenig trocknen. Kurz bevor ich dann in eine Moschee einkehrte, wurde ich hinter Dukan bei strömenden Regen von einem Fahrzeug angehalten und meine Papiere verlangt – der Geheimdienst ließ grüßen. Ich sollte an den Rand fahren, wo ich knöcheltief im Schneematsch einsank. Um ein Vielfaches sank auch meine Stimmung und entsprechend ruppig war ich zu dem Geheimdienstmann in Zivil, der sich am Ende sogar entschuldigte. Doch er konnte in seinem Auto wieder dem Wetter entfliehen. Wenig später fand ich dann eine kleine Moschee. Diese hatte zwar den Nachteil, dass sie schon etwas heruntergekommen war – will heißen, es zog, weil die Fenster kaputt waren und richtig aufwärmen war nicht möglich. Wenigsten das Licht funktionierte bis Mitternacht und es gab fließend Wasser.

Anstatt am Mittwoch, 15.2, der Hauptstraße nach Sulaimaniyya zu folgen, beschloss ich, eine kleinere Straße zwischen zwei Gebirgszügen zu nehmen. Das feuchte Wetter hörte nicht auf und es kam noch mehr nasser Schnee bei ca. 2°C und starkem Wind hinzu – es war die Hölle, nur in kalt und nass. Selbst Autos kehrten um, weil sie die Anstiege nicht mehr bewältigen konnten. Ich war komplett durchgefroren zu einem Grad, der nicht mehr feierlich war. An der ersten Tankstelle, die ich kurz vor Sulaimaniyya erreichte, kehrte ich wieder ein. Wie willkommen ich auch dort geheißen wurde! Ich bekam etwas zu essen und Tee und die Mitarbeiter waren neugierig, was mich antrieb, zu dieser Jahreszeit durch Kurdistan zu fahren.
Von dort kontaktierte ich meinen Gastgeber Arian, der mich später von dort aufgabelte. Mein Fahrrad konnte ich sogar erstmal in der Tankstelle lassen und würde es später abholen.
Bei Arian und seiner großen Familie blieb ich sechs Tage. Es war eine wunderbare Zeit bei wunderbaren Menschen. Die Zeit verging sehr schnell.

Schon am Donnerstag hatte ich die Gelegenheit auf einem sehr interessanten und lustigen Treffen beizuwohnen. Ungefähr einmal im Monat verabredet sich Arian mit seinen Freunden und sie treffen sich zum Feiern. Dieses Mal ging es nach Dukan in eine kleine Bungalowsiedlung. Es war sehr gesellig und lustig. Ein Freund von Arian war Hobbykoch und bereitete sehr leckeres Essen zu. Ich glaube, es ist unmöglich, in Kurdistan kein leckeres Essen zu essen. Es wurde geredet, gegessen, Dominos gespielt und Musik gemacht. Sogar ich spielte ein bisschen schräg auf der Trompete. Auch Alkohol wurde konsumiert, denn in der autonomen Region Kurdistan ist der Verkauf von Alkohol im Vergleich zum Rest Iraks noch legal.

Am nächsten Tag nach dem Aufräumen fuhren wir nicht direkt zurück nach Sulaimaniyya sondern ein bisschen in die Berge. Über Nacht hatte sich eine Schneedecke über die Landschaft gelegt und die Straßen waren etwas schwierig zu befahren. Auf dem Rückweg hingegen lag eine herrliche Dampfwolke über der Straße.
Weil Arian wieder arbeiten gehen musste, nahmen mich sein Vater und sein Bruder Alan mit in die Stadt – aber nicht aufdringlich. Mit beiden hatte ich sehr interessante Gespräche und ich stritt mich immer mit Arians Vater etwas über das Christentum und den Islam, was ziemlich amüsant war. Außerdem geht er regelmäßig früh morgens ins Fitnessstudio.

Mit Alan unternahm ich dann einen langen Stadtrundgang, da ich Sulaimaniyya sonst nur aus dem Auto kannte. Wir liefen wirklich quer durch die Stadt, fast bis zur Tankstelle, an der ich mein Fahrrad gelassen hatte.
Dann nahmen mich sowohl Alan als auch Arian zum Schwimmen mit. Das war etwas Lustiges, denn Schwimmen gehen nicht sehr verbreitetet im Irak, denn es gibt nicht sehr viele saubere natürlich Seen oder Flüsse und im Süden am Persischen Golf ist das Schwimmen eher auch unmöglich. Wasser ist kostbar, deshalb können nicht so viele Schwimmbäder betrieben werden, wie in Europa. Dementsprechend professionell hat es geschienen, als ich meine Bahnen zog. Aber es war auch herrlich nach langer Zeit mal wieder zu schwimmen. Außerdem sind neben einem Schwimmbecken auch noch Saunen und Dampfsaunen vorhanden, um das Wellnesspaket abzurunden.

Nach sechs super Tagen war es dann aber auch wieder Zeit, weiter zu fahren. Arians Familie hat mit wirklich sehr freundlich aufgenommen und sich um mich und vor allem auch um mein leibliches Wohl gekümmert. Aber da wir Deutschen diese extreme Gastfreundschaft nicht gewohnt sind, wird es mir mit zunehmender Zeit unangenehm. Kurz vor der Abfahrt fuhr Alan mit meinem Fahrrad sogar noch zu einem Schweißer, weil mein Gepäckträger kaputt war. Dann verabschiedete ich mich endgültig und radelte Richtung Iran.

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